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NIS2

Was ist das Modell der geteilten Verantwortung bei Microsoft 365?

Microsoft betreibt die Plattform. Ihnen gehören die Daten, die Konten und der Nachweis, dass Sie wiederherstellen können. Hier verläuft die Grenze, und das erwarten NIS2 und die DSGVO auf Ihrer Seite.

Konferenztisch, von cyanfarbenem Licht geteilt: auf der fernen Seite Server-Hardware, davor ein Laptop, ein Sicherheitsschlüssel und Dateien

Die kurze Antwort

Das Modell der geteilten Verantwortung bei Microsoft 365 teilt die Sicherheitspflichten zwischen Microsoft und Ihnen auf. Microsoft sichert Rechenzentren, Netzwerk, Hosts und die Verfügbarkeit des Dienstes. Verantwortlich bleiben Sie für Ihre Daten, Benutzerkonten, Zugriffsverwaltung und Geräte. Dazu gehört, Ihre Daten zu sichern und die Wiederherstellung nachzuweisen. Das erwarten NIS2 und die DSGVO.

Das Wichtigste in Kürze

  • Microsofts Dokumentation nennt vier Verantwortlichkeiten, die Sie in jedem Cloud-Modell behalten: Ihre Daten, Endgeräte, Konten und die Zugriffsverwaltung.
  • Replikation gehört zu Microsofts Seite und schützt die Verfügbarkeit. Sie kopiert Löschungen und Verschlüsselung mit und ist deshalb kein Backup.
  • Artikel 21 Absatz 2 Buchstabe c der NIS2-Richtlinie verlangt Backup-Management und Disaster Recovery. Artikel 20 macht die Geschäftsleitung dafür verantwortlich, diese Maßnahmen zu billigen.
  • Artikel 32 Absatz 1 Buchstabe c DSGVO verlangt, personenbezogene Daten rasch wiederherstellen zu können. Buchstabe d verlangt, diese Fähigkeit regelmäßig zu testen.
  • Ihre Seite abzudecken heißt: abgesicherte Identitäten, ein unabhängiges und getestetes Backup, ein geregelter Austrittsprozess und dokumentierte Nachweise.

Was sagt das Modell der geteilten Verantwortung?

Microsoft ist für die Cloud verantwortlich. Sie sind verantwortlich für das, was Sie darin ablegen, und dafür, wer darauf zugreifen kann. Microsoft veröffentlicht diese Aufteilung für alle Cloud-Dienste, auch für Microsoft 365.

Laut der Microsoft-Seite zur geteilten Verantwortung in der Cloud „behalten Sie“ unabhängig vom Bereitstellungsmodell „immer“ die Verantwortung für Ihre Daten (einschließlich Datenschutz), Ihre Endgeräte, Ihre Konten und Ihre Zugriffsverwaltung. Bei einem SaaS-Dienst wie Microsoft 365 übernimmt Microsoft das physische Rechenzentrum, das physische Netzwerk, die physischen Hosts, das Betriebssystem und die Netzwerkkontrollen. Anwendungen und Client-Geräte teilen sich beide Seiten.

Für Organisationen, die unter NIS2 fallen, ist das wichtig: Die Richtlinie verlangt, dass Sie die Risiken auf Ihrer Seite steuern, nicht die von Microsoft. Alle Pflichten stellen wir auf unserer Seite zu NIS2 Compliance dar. Dieser Artikel konzentriert sich darauf, was das Modell für Ihre Microsoft-365-Daten bedeutet.

Wer ist in Microsoft 365 wofür verantwortlich?

Microsoft gehören die Infrastruktur und die Verfügbarkeit des Dienstes. Ihnen gehören Konfiguration, Identitäten, Daten und Wiederherstellung.

EbeneMicrosoftSie
Physische Rechenzentren, Hardware und NetzwerkVerantwortlichNicht verantwortlich
Betriebssystem und Verfügbarkeit des DienstesVerantwortlichNicht verantwortlich
Konfiguration der Anwendungen (Freigabe, Aufbewahrung, Sicherheitseinstellungen)Stellt die Steuerungsmöglichkeiten bereitKonfiguriert und pflegt sie
Konten und Identitäten, auch von ausgeschiedenen MitarbeitendenStellt Microsoft Entra ID bereitLegt Konten an, sichert und entfernt sie
Zugriffsverwaltung: Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA), Conditional Access, AdministratorrollenStellt die Werkzeuge bereitLegt Richtlinien fest und setzt sie durch
Endgeräte, die auf Microsoft 365 zugreifenBietet Verwaltungswerkzeuge anSchützt und verwaltet die Geräte
Ihre Daten: E-Mails, Dateien, Sites, ChatsSpeichert und repliziert sieKlassifiziert, schützt, sichert und stellt sie wieder her
Gesetzliche Pflichten (NIS2, DSGVO)Handelt vertraglich als AuftragsverarbeiterBleibt als Einrichtung bzw. Verantwortlicher rechenschaftspflichtig

Die Tabelle folgt der von Microsoft veröffentlichten Aufteilung. Der Ransomware-Leitfaden für Microsoft 365 beschreibt es ähnlich: Er trennt „Kontrollen auf Tenant-Ebene“, also „die Personen in Ihrer Organisation sowie die Infrastruktur und Dienste, die Ihrer Organisation gehören und von ihr kontrolliert werden“, von den Kontrollen auf Dienstebene bei Microsoft. Nachzulesen in Ransomware protection in Microsoft 365.

Schützt die Replikation von Microsoft nicht meine Daten?

Sie schützt den Dienst vor Hardwareausfall, aber nicht Ihre Daten vor Änderungen. Replikation kopiert Löschungen, Überschreibungen und Verschlüsselung auf jede Replik.

Die Dokumentation zur Azure-Storage-Redundanz von Microsoft sagt es direkt: „Löschungen und Überschreibungen werden gleichzeitig auf alle Kopien angewendet. Redundanz schützt vor Hardwareausfällen, nicht vor datenverändernden Vorgängen.“ Sogar das Microsoft Services Agreement, das Verbraucherdienste regelt und nicht geschäftliche Tenants, rät den Nutzern: „Wir empfehlen, dass Sie Ihre Inhalte und Daten, die Sie auf den Diensten speichern, regelmäßig sichern.“

Native Papierkörbe und der Versionsverlauf sind nützlich, aber kurzlebig. Löschen Sie zum Beispiel einen Benutzer, haben Sie laut Microsofts eigener Administrationsdokumentation 30 Tage Zeit, das Konto wiederherzustellen. Danach liegt das OneDrive einer ausgeschiedenen Person 93 Tage im Papierkorb und wird dann endgültig gelöscht. Die vollständige Liste der nativen Fristen finden Sie unter Sichert Microsoft 365 meine Daten?

Wie passt das Modell der geteilten Verantwortung zu NIS2 und DSGVO?

Beide Regelwerke legen die Pflicht auf Sie, nicht auf Ihren Cloud-Anbieter. Wer Microsoft 365 nutzt, gibt seine NIS2- und DSGVO-Pflichten nicht an Microsoft ab. Microsoft wird zu einem der Lieferanten, deren Risiken Sie steuern.

Ihre Seite des ModellsRechtsgrundlageNachweis, den ein Prüfer verlangen kann
Backup und Wiederherstellung der Microsoft-365-DatenNIS2 Art. 21 Abs. 2 Buchst. c: Aufrechterhaltung des Betriebs, etwa Backup-Management und Disaster Recovery; DSGVO Art. 32 Abs. 1 Buchst. cBackup-Richtlinie, Job-Berichte, Ergebnisse von Testwiederherstellungen
Test, ob die Wiederherstellung funktioniertDSGVO Art. 32 Abs. 1 Buchst. d: regelmäßige Überprüfung, Bewertung und EvaluierungDatierte Testwiederherstellungen im Vergleich zu RTO (maximale Ausfallzeit) und RPO (maximaler Datenverlust)
Bewertung von Microsoft und anderen LieferantenNIS2 Art. 21 Abs. 2 Buchst. d: Sicherheit der LieferketteRisikobewertung der Lieferanten, Verträge, Exit-Plan
Konten, Zugriff und MFANIS2 Art. 21 Abs. 2 Buchst. i und j: Zugriffskontrolle und Multi-Faktor-AuthentifizierungConditional-Access-Richtlinien, Überprüfung der Administratorrollen
Aufsicht durch die GeschäftsleitungNIS2 Art. 20: Die Geschäftsleitung billigt die Maßnahmen, überwacht sie und nimmt an Schulungen teilProtokolle der Geschäftsleitung, Schulungsnachweise
Meldung von SicherheitsvorfällenNIS2 Art. 23: Frühwarnung innerhalb von 24 Stunden, Meldung innerhalb von 72 Stunden, Abschlussbericht nach einem MonatVerfahren für Sicherheitsvorfälle und Kontaktliste

Die NIS2-Angaben beziehen sich auf die Richtlinie (EU) 2022/2555, die DSGVO-Angaben auf die Verordnung (EU) 2016/679. In Deutschland gilt das NIS2UmsuCG seit dem 6. Dezember 2025, wie das BSI mitteilte. Zum Vergleich ein niederländisches Beispiel: In den Niederlanden gelten die NIS2-Regeln über das Cyberbeveiligingswet, seit dem 15. August 2026 in Kraft, laut der niederländischen Regierung. Die zehn Maßnahmen nach Artikel 21 haben wir separat aufgeschlüsselt.

Was geht schief, wenn das Modell falsch verstanden wird?

Daten verschwinden durch Handlungen, die harmlos aussehen und die Microsofts Plattform genau wie angewiesen ausführt. Der Dienst bleibt verfügbar, während die Daten verloren gehen.

  • Aufräumen nach Austritten: Ein Konto wird gelöscht, die Aufbewahrungsfristen laufen ab, und Verträge oder Korrespondenz gehen mit verloren.
  • Massenfehler: Ein Synchronisierungstool, ein Skript oder eine geänderte Aufbewahrungsrichtlinie löscht oder überschreibt viele Dateien auf einmal.
  • Interne Täter: Eine Person, die das Unternehmen verlässt, leert ein Postfach oder eine SharePoint-Bibliothek.
  • Kompromittierte Konten: Ein Angreifer mit gültigen Zugangsdaten verschlüsselt synchronisierte Dateien oder löscht mit Administratorrechten Daten und verkürzt die Aufbewahrung.

Der letzte Punkt nimmt zu. Laut Microsoft Digital Defense Report 2025 stiegen identitätsbasierte Angriffe im ersten Halbjahr 2025 um 32 %, und mindestens 52 % der Angriffe mit bekanntem Motiv gingen auf Erpressung oder Ransomware zurück. Derselbe Bericht sagt, MFA könne über 99 % der identitätsbasierten Angriffe blockieren. Deshalb liegt die Zugriffsverwaltung auf Ihrer Seite der Grenze.

Wie decken Sie Ihre Seite des Modells ab?

Sechs Schritte decken das meiste ab. Jeder liefert einen Nachweis, den Sie Prüfern oder Versicherern vorlegen können.

  1. Erfassen Sie Ihre Daten. Listen Sie auf, was in Exchange, OneDrive, SharePoint und Teams liegt und welche Unterlagen Sie wie lange aufbewahren müssen.
  2. Sichern Sie Identitäten ab. Erzwingen Sie MFA für alle, begrenzen Sie die Zahl der globalen Administratoren und prüfen Sie Administratorrollen regelmäßig.
  3. Sichern Sie unabhängig. Halten Sie eine Kopie außerhalb Ihres Tenants vor, mit getrennten Zugangsdaten. Unser Microsoft-365-Backup deckt Exchange, OneDrive, SharePoint und Teams ab, speichert die Daten unveränderlich in eigenen Rechenzentren in Deutschland und den Niederlanden und verlangt MFA für administrative Aktionen.
  4. Regeln Sie den Austrittsprozess. Stellen Sie sicher, dass ein Backup existiert, bevor ein Konto gelöscht wird.
  5. Bewerten Sie Lieferanten. Behandeln Sie Microsoft und Ihren Backup-Anbieter als Teil Ihrer Lieferkette. Unser Ratgeber zur Sicherheit der Lieferkette nach NIS2 erklärt, wie.
  6. Testen und dokumentieren Sie. Führen Sie mindestens vierteljährlich Testwiederherstellungen durch und bewahren Sie die Ergebnisse auf.

Dieselbe Aufteilung gilt in der Public Cloud. Wenn Sie auch Workloads in AWS oder Google Cloud betreiben, lesen Sie warum AWS-Daten noch kein Backup sind und das Modell der geteilten Verantwortung bei Google Cloud.

Ihre nächsten Schritte

Das Modell der geteilten Verantwortung ist keine Grauzone: Microsoft hält Microsoft 365 am Laufen, Ihre Daten, Identitäten und die Wiederherstellung verantworten und belegen Sie selbst. Unter NIS2 und DSGVO gehört dieser Nachweis zur Erfüllung Ihrer Pflichten, er ist kein optionales Extra.

Beginnen Sie mit einem klaren Bild Ihrer Lücken. Lesen Sie auf unserer Seite zu NIS2 Compliance, wie das zu den übrigen Pflichten passt, oder fordern Sie bei uns eine kostenlose Analyse an für Ihre Backup- und Wiederherstellungskonfiguration von Microsoft 365.

Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung.

Häufige Fragen

Ist Microsoft dafür verantwortlich, meine Microsoft-365-Daten zu sichern?

Nein. Laut Microsofts Dokumentation zur geteilten Verantwortung behalten Kunden in jedem Cloud-Modell immer die Verantwortung für ihre Daten, einschließlich des Datenschutzes. Microsoft repliziert Daten, damit der Dienst verfügbar bleibt, und bietet kurze native Wiederherstellungsfristen. Ein unabhängiges Backup, das Sie zu einem gewählten Zeitpunkt wiederherstellen können, liegt aber in Ihrer Verantwortung.

Was ist der Unterschied zwischen Replikation und Backup in Microsoft 365?

Replikation hält Live-Kopien Ihrer Daten an mehreren Orten, damit ein Hardwareausfall den Dienst nicht unterbricht. Sie kopiert jede Änderung, auch Löschungen und Verschlüsselung. Ein Backup ist eine getrennte Kopie zu einem bestimmten Zeitpunkt, die getrennt von der Produktion liegt. So können Sie zum Stand vor einem Fehler oder Angriff zurückkehren.

Erfüllt die Nutzung von Microsoft 365 meine NIS2-Pflichten?

Nein. Die NIS2-Pflichten gelten für Ihre Organisation, nicht stellvertretend für Ihre Lieferanten. Microsoft 365 liefert Sicherheitswerkzeuge, aber die Maßnahmen nach Artikel 21 müssen Sie selbst umsetzen: darunter Backup und Disaster Recovery, Zugriffskontrolle und Sicherheit der Lieferkette. Nach Artikel 20 muss die Geschäftsleitung sie billigen und überwachen.

Wer ist in Microsoft 365 Verantwortlicher und wer Auftragsverarbeiter?

In einem typischen Unternehmens-Tenant ist Ihre Organisation Verantwortlicher für die gespeicherten personenbezogenen Daten. Microsoft handelt als Auftragsverarbeiter nach seinen Datenschutzbestimmungen. Als Verantwortlicher bleiben Sie nach der DSGVO rechenschaftspflichtig, auch für Sicherheitsmaßnahmen nach Artikel 32, etwa die Fähigkeit, personenbezogene Daten rasch wiederherzustellen.

Gilt das Modell der geteilten Verantwortung auch für Google Workspace und AWS?

Ja. Jeder große Cloud-Anbieter nutzt eine Variante davon. Der Anbieter sichert seine Infrastruktur und hält den Dienst verfügbar. Kunden bleiben für ihre Daten, Identitäten und Konfiguration verantwortlich. Die genaue Aufteilung unterscheidet sich zwischen SaaS-Diensten wie Google Workspace und Infrastrukturdiensten wie AWS. Prüfen Sie deshalb die Dokumentation des jeweiligen Anbieters.

Quellen

  1. Shared responsibility in the cloudMicrosoft Learn, 2026
  2. Ransomware protection in Microsoft 365Microsoft Learn (Service Assurance), 2025
  3. Data redundancy - Azure StorageMicrosoft Learn, 2026
  4. Microsoft Services Agreement (consumer), section 6(b)Microsoft, 2026
  5. Delete a user from your organizationMicrosoft Learn, 2026
  6. Directive (EU) 2022/2555 (NIS2 Directive)EUR-Lex, 2022
  7. Regulation (EU) 2016/679 (General Data Protection Regulation)EUR-Lex, 2016
  8. Cyberbeveiligingswet en Wet weerbaarheid kritieke entiteiten vanaf 15 augustus 2026 van krachtRijksoverheid (niederländische Regierung), 2026
  9. Cybersicherheitsrecht: NIS-2-Umsetzungsgesetz ab morgen in KraftBSI, 2025
  10. Extortion and ransomware drive over half of cyberattacks (Microsoft Digital Defense Report 2025)Microsoft On the Issues, 2025
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