Zum Inhalt springen

Backup · Für Systemhäuser und MSPs

Wie sollten MSPs ihren Kunden unveränderliche Backups anbieten?

Ihre Kunden kaufen keinen Speicherplatz. Sie kaufen die Gewissheit, dass eine Wiederherstellung nach einem Angriff funktioniert, auch wenn der Angriff in Ihren eigenen Tools beginnt.

Wand aus identischen Stahlschubladen, eine geöffnet mit einem versiegelten Behälter im Bernsteinlicht, als Sinnbild für getrennte Kunden-Backups

Die kurze Antwort

Systemhäuser und MSPs sollten unveränderliche Backups (Immutable Backups) als Wiederherstellungsservice anbieten, nicht als Speicher. Das heißt: Kopien, die nur einmal geschrieben werden können und die kein Administrator verkürzen oder löschen kann, eine Air-Gap-Kopie (eine Kopie ohne Verbindung zu Ihrem Netzwerk), eine Backup-Konsole getrennt von Ihren RMM-Zugangsdaten, automatische Job-Prüfungen und geplante Wiederherstellungstests. Staffeln Sie das Angebot in Tiers nach Wiederherstellungsergebnis und geben Sie Kunden Nachweise, die sie Prüfern und Versicherern zeigen können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Unveränderlichkeit zählt nur, wenn niemand, auch nicht Ihre eigenen Administratoren, die Aufbewahrung verkürzen oder Kopien löschen kann. Der Governance-Modus von AWS Object Lock lässt sich mit Sonderrechten umgehen, der Compliance-Modus nicht.
  • MSPs sind ein Zugang zu vielen Kunden gleichzeitig: Der Kaseya-VSA-Angriff von 2021 erreichte rund 60 direkte Kunden und bis zu 1.500 nachgelagerte Unternehmen.
  • Halten Sie die Steuerungsebene des Backups getrennt von Ihrem RMM (Remote Monitoring und Management), mit eigenen Konten, die per MFA (Multi-Faktor-Authentifizierung) geschützt sind. So erreicht ein kompromittiertes Fernwartungs-Tool die Kunden-Backups nicht.
  • Staffeln Sie Backup-Services nach Wiederherstellungsergebnis, etwa Wiederherstellungszeit und Testhäufigkeit, und nicht nach Gigabyte.
  • NIS2 führt Managed Service Provider in Anhang I auf. Viele MSPs haben deshalb inzwischen eigene Pflichten nach Artikel 21, darunter das Backup-Management.

Was macht ein Backup wirklich unveränderlich?

Ein Backup ist unveränderlich, wenn niemand es vor Ablauf der Aufbewahrungsdauer ändern oder löschen kann: kein Angreifer, kein Administrator des Kunden und auch nicht Ihre eigenen Techniker. Kann jemand mit den passenden Rechten die Sperre aufheben, ist es eine Einstellung und keine Unveränderlichkeit.

Die AWS-Dokumentation zu S3 Object Lock zeigt den Unterschied. Object Lock arbeitet nach dem Write-once-read-many-Prinzip (WORM). Im Governance-Modus können Benutzer mit einer Sonderberechtigung die Aufbewahrung weiterhin ändern oder Objekte löschen. Im Compliance-Modus „kann ein gesperrtes Objekt von keinem Benutzer überschrieben oder gelöscht werden, auch nicht vom Root-Benutzer“, und die Aufbewahrungsdauer lässt sich nicht verkürzen.

Für einen MSP ist diese Unterscheidung wichtig. Ein Angreifer, der das Konto eines Technikers übernimmt, erbt dessen Berechtigungen. Auf unserer Seite Backup as a Service erklären wir, wie wir unveränderlichen Speicher mit einer Air-Gap-Kopie kombinieren, damit ein gestohlenes Konto nicht ausreicht, um Kunden-Backups zu zerstören.

Warum sind MSPs ein Ziel, und was heißt das für das Backup?

Weil ein einziger kompromittierter MSP die Tür zu vielen Kunden öffnet. Angreifer, die Ihr RMM oder Ihre Administratorkonten erreichen, können Ransomware in jedes verwaltete Netzwerk verteilen, und sie suchen zuerst nach den Backups.

Der Kaseya-VSA-Angriff von 2021 ist der Referenzfall. Laut BleepingComputer nutzte REvil eine Zero-Day-Schwachstelle in Kaseyas On-Premises-Produkt VSA und traf rund 60 direkte Kunden sowie bis zu 1.500 nachgelagerte Unternehmen, die über MSPs betreut wurden. Dritte sind ein wachsender Einfallsweg: Der Data Breach Investigations Report 2025 von Verizon stellte bei 30 % der Datenpannen die Beteiligung Dritter fest, doppelt so viel wie im Jahr davor.

Auch Fernwartungs-Tools selbst werden missbraucht. NSA, CISA und MS-ISAC warnten im Januar 2023, Kriminelle hätten legitime RMM-Software genutzt, um Anti-Malware-Schutz zu umgehen und Systeme zu übernehmen. Und Backups sind ein gezieltes Ziel: In der Sophos-Umfrage 2024 sagten 94 % der Ransomware-Opfer, die Angreifer hätten versucht, ihre Backups zu kompromittieren.

Die gemeinsame Warnung zu Cyberbedrohungen für MSPs der Cyberbehörden aus Großbritannien, Australien, Kanada und den USA nennt die praktische Antwort: Pflegen Sie Offline-Backups, die mit separaten Schlüsseln verschlüsselt sind, erzwingen Sie MFA für jedes Konto, das auf Kundenumgebungen zugreift, und trennen Sie Kundendatensätze voneinander und von Ihrem internen Netzwerk.

Was gehört in einen Backup-Service für MSPs?

Vier Bausteine: unveränderlicher Speicher mit Air-Gap-Kopie, eine von Ihren übrigen Tools isolierte Steuerungsebene, automatische Prüfung und Nachweise, die Kunden an Prüfer weitergeben können. Lassen Sie einen weg, verkaufen Sie Speicher mit einem aufgesetzten Wiederherstellungsversprechen.

BausteinWorauf Sie achtenWarum es wichtig ist
Unveränderliche Kopie und Air-Gap-KopieKein Administrator kann die Aufbewahrung verkürzen; eine Kopie liegt außerhalb der ProduktivzugangsdatenÜbersteht ein kompromittiertes Konto beim MSP oder beim Kunden
Isolierte SteuerungsebeneEigene Konten und MFA für die Backup-Konsole; keine gemeinsamen RMM-ZugangsdatenEin kompromittiertes RMM erreicht die Backups nicht
Automatische PrüfungJeder Job wird geprüft; Malware-Scan; geplante Test-WiederherstellungenProbleme fallen auf, bevor ein Kunde eine Wiederherstellung braucht
Nachweise für KundenBerichte pro Kunde zu Jobs, Tests und WiederherstellungszeitenUnterstützt NIS2-Prüfungen und Fragebögen von Cyberversicherern

Die Grundsätze des britischen National Cyber Security Centre für ransomware-resistente Cloud-Backups ergeben eine brauchbare Checkliste, um jeden Anbieter zu bewerten: Widerstandsfähigkeit gegen zerstörerische Aktionen, Wiederherstellung aus unbeschädigten Versionen und Warnungen, wenn privilegierte Aktionen versucht werden.

So unterstützt Mindtime MSPs

Partner erhalten eine mandantenfähige Konsole, nutzungsbasierte Abrechnung sowie REST-APIs und Hooks für Ihre RMM- und PSA-Tools. Kunden-Backups bleiben mit Object Lock unveränderlich, dazu kommt eine Air-Gap-Kopie, in unseren eigenen Tier-III-Rechenzentren in Deutschland und den Niederlanden. Jeder Backup-Job wird automatisch geprüft, Backups werden auf Malware gescannt, administrative Aktionen erfordern MFA, und die Plattform wird rund um die Uhr überwacht. Wir sichern Microsoft 365, Google Workspace, VMware, Hyper-V, Proxmox, Linux-Server, SQL Server, NAS, AWS, Azure, Google Cloud und Endgeräte, mit unbegrenzten Backup-Jobs und unbegrenztem Speicher.

Wie schnüren Sie Backup-Tiers für Kunden?

Staffeln Sie nach Ergebnis: wie schnell ein Kunde wieder arbeitet, wie oft Wiederherstellungen getestet werden und welche Nachweise er erhält. Kunden verstehen „in vier Stunden wieder startklar“ weit besser als „500 GB“.

TierDas bekommt der KundeTypischer Kunde
EssentialUnveränderliches Backup aller vereinbarten Workloads, automatische Job-Prüfungen, granulare Wiederherstellung, ein regelmäßiger Test-RestoreKleines Büro mit Microsoft 365 oder Google Workspace
BusinessAlles aus Essential plus vereinbarte Wiederherstellungszeiten für kritische Systeme, häufigere Tests und monatliche BerichteKMU mit Servern, Datenbanken und einer Fachanwendung
ContinuityAlles aus Business plus Disaster Recovery auf Standby-Infrastruktur, Failover-Tests und prüffähige NachweiseKunde im Anwendungsbereich von NIS2 oder mit hohen Ausfallkosten

Die Namen und Inhalte der Tiers legen Sie selbst fest. Darunter ergänzt Mindtime: Kritische Workloads werden mit einer SLA von 4 Stunden wiederhergestellt, Instant VM Boot startet Server in einer isolierten Wiederherstellungsumgebung in einem separaten, sauberen Netzwerk, und für Disaster Recovery gibt es eine Standby-Infrastruktur mit automatischen DR-Tests jedes Quartal und Nachweisen für Prüfer. Ein zertifizierter Ingenieur validiert den ersten Test-Failover, in der Regel innerhalb von 10 Tagen.

Legen Sie die Tiers gemeinsam mit jedem Kunden anhand der Ausfallkosten fest. Unsere Anleitung zu den Kosten von Ausfallzeiten enthält eine Berechnung, die Sie gemeinsam durchgehen können.

Was ändert NIS2 beim Backup für MSPs?

Es macht Backup für viele MSPs und ihre Kunden zur gesetzlichen Pflicht. Die NIS2-Richtlinie (EU) 2022/2555 führt Managed Service Provider und Managed Security Service Provider in Anhang I auf, und Artikel 21 verlangt von Einrichtungen im Anwendungsbereich Risikomanagementmaßnahmen.

  • Art. 21 Abs. 2 lit. c NIS2-Richtlinie: Aufrechterhaltung des Betriebs, etwa Backup-Management und Wiederherstellung nach einem Notfall, sowie Krisenmanagement.
  • Art. 21 Abs. 2 lit. d NIS2-Richtlinie: Sicherheit der Lieferkette. Ihre Kunden bewerten Sie also als Lieferanten.
  • Art. 23 NIS2-Richtlinie: eine Frühwarnung innerhalb von 24 Stunden, eine Meldung des Vorfalls innerhalb von 72 Stunden und ein Abschlussbericht innerhalb eines Monats.
  • Art. 34 NIS2-Richtlinie: Geldbußen mit einem Höchstbetrag von mindestens 10 Mio. € oder 2 % des weltweiten Umsatzes für besonders wichtige Einrichtungen und 7 Mio. € oder 1,4 % für wichtige Einrichtungen.

Inzwischen gelten die nationalen Gesetze. In Deutschland ist am 6. Dezember 2025 das NIS-2-Umsetzungsgesetz in Kraft getreten. Als niederländisches Beispiel gilt in den Niederlanden seit dem 15. August 2026 die Cyberbeveiligingswet. Ob Sie in den Anwendungsbereich fallen, prüfen Sie in unserer Übersicht zum NIS2-Anwendungsbereich. Was Ihre Kunden Sie fragen werden, lesen Sie in unserem Ratgeber zur NIS2-Lieferkettensicherheit.

Wie führen Sie unveränderliche Backups bei all Ihren Kunden ein?

Beginnen Sie mit Ihrem eigenen Stack und holen Sie dann Ihre Kunden in Wellen nach, zuerst jene, die ein Ausfall am härtesten träfe.

  1. Prüfen Sie Ihre eigenen Zugriffe. Erfassen Sie, welche Konten die Backup-Aufbewahrung ändern oder Backups löschen können, und entfernen Sie jede Verbindung zu RMM- oder Domänenzugangsdaten.
  2. Definieren Sie Tiers nach Ergebnis. Vereinbaren Sie pro Tier Wiederherstellungsziele und Testhäufigkeit und halten Sie diese in Ihren Serviceverträgen fest.
  3. Migrieren Sie in Wellen. Holen Sie regulierte Kunden und solche, bei denen ein Ausfall die größten Folgen hätte, zuerst, und führen Sie nach dem Onboarding für jeden einen Test-Restore durch.
  4. Automatisieren Sie die Nachweise. Verbinden Sie Job- und Testergebnisse über APIs mit Ihrem PSA, damit sich die monatlichen Kundenberichte von selbst erstellen.
  5. Prüfen Sie jedes Quartal. Kontrollieren Sie fehlgeschlagene Jobs, Wiederherstellungszeiten und Änderungen an Kundensystemen, die noch nicht im Backup-Umfang sind.

Unser Ratgeber Woran Sie erkennen, ob Ihr Backup wirklich funktioniert listet auf, was jeder Test-Restore belegen sollte.

Ihre nächsten Schritte

Bieten Sie unveränderliche Backups als nachweisbare Wiederherstellung an. Halten Sie Kopien vor, die kein Administrator löschen kann, trennen Sie die Backup-Konsole von Ihrem RMM, prüfen Sie jeden Job, testen Sie Wiederherstellungen nach Plan und geben Sie Kunden die Nachweise. Das schützt sie und Sie: Ein Einbruch, der in Ihren Tools beginnt, darf nicht damit enden, dass die Daten aller Kunden verloren sind.

Wie der Service aufgebaut ist, sehen Sie auf unserer Seite Backup as a Service. Das Partnerprogramm beschreiben wir auf unserer Partnerseite.

Möchten Sie die mandantenfähige Konsole mit einer echten Wiederherstellung sehen? Vereinbaren Sie eine kostenlose 15-minütige Demo mit unserem Team, auf Deutsch, Niederländisch oder Englisch.

Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung.

Häufige Fragen

Was ist ein Backup-Service mit unveränderlichen Backups für MSPs?

Ein Backup-Service, bei dem Kundenkopien für eine feste Aufbewahrungsdauer in einer Form gespeichert werden, die sich nur einmal schreiben lässt. So kann niemand, auch nicht die Administratoren des MSPs, sie vorzeitig ändern oder löschen. Ein guter Service ergänzt eine Air-Gap-Kopie, eine vom RMM des MSPs getrennte Konsole, automatische Job-Prüfungen, Test-Restores und Berichte pro Kunde für Prüfer.

Warum sind MSPs ein Ziel für Ransomware-Gruppen?

Weil ein MSP den Zugang zu vielen Kunden bietet. Angreifer, die die Fernwartungs-Tools oder Administratorkonten eines MSPs kompromittieren, erreichen alle verwalteten Netzwerke auf einmal, wie der Kaseya-VSA-Angriff 2021 mit bis zu 1.500 betroffenen nachgelagerten Unternehmen zeigte. Isolierte, unveränderliche Backups begrenzen den Schaden, wenn das passiert.

Können die eigenen Administratoren eines MSPs unveränderliche Backups löschen?

Sie sollten es nicht können. In einer wirklich unveränderlichen Umgebung lässt sich die Aufbewahrung nicht verkürzen, und Kopien lassen sich vor Ablauf nicht löschen, mit welchem Konto auch immer. Mancher Speicher bietet einen Governance-Modus, den privilegierte Benutzer umgehen können. Gegen ein kompromittiertes Administratorkonto schützt das nicht. Fragen Sie Ihren Anbieter, welcher Modus gilt.

Wie sollten MSPs Backup für Kunden bepreisen?

Bepreisen Sie nach Wiederherstellungsergebnis statt nach Speichervolumen. Definieren Sie Tiers nach Wiederherstellungszeit für kritische Systeme, nach Testhäufigkeit und nach den Berichten, die Kunden erhalten. Kunden im Anwendungsbereich von NIS2 oder mit hohen Ausfallkosten brauchen meist die höheren Tiers mit Disaster Recovery und dokumentierten Failover-Tests. Nutzungsbasierte Abrechnung hält Ihre Kosten im Gleichschritt mit der Kundenzahl.

Gilt NIS2 für Managed Service Provider?

Häufig ja. NIS2 führt Managed Service Provider und Managed Security Service Provider in Anhang I auf. Erreicht Ihre Organisation die Größenschwellen, haben Sie eigene Pflichten nach Artikel 21, darunter das Backup-Management, dazu die Meldung von Sicherheitsvorfällen nach Artikel 23. Ihre regulierten Kunden bewerten Sie außerdem als Lieferanten nach Art. 21 Abs. 2 lit. d NIS2-Richtlinie.

Quellen

  1. Locking objects with Object LockAWS-Dokumentation (Amazon S3 User Guide), 2026
  2. Kaseya: roughly 1,500 businesses hit by REvil ransomware attackBleepingComputer, 2021
  3. Protecting against cyber threats to managed service providers and their customers (joint advisory)ASD's ACSC, NCSC UK, CCCS, CISA, NSA und FBI, 2022
  4. NSA, CISA, and MS-ISAC release guidance for securing remote monitoring and management softwareNational Security Agency, 2023
  5. Verizon's 2025 Data Breach Investigations Report: news releaseVerizon, 2025
  6. The impact of compromised backups on ransomware outcomesSophos, 2024
  7. Principles for ransomware-resistant cloud backupsNCSC UK, 2024
  8. Directive (EU) 2022/2555 (NIS2 Directive)EUR-Lex, Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union, 2022
  9. Cyberbeveiligingswet en Wet weerbaarheid kritieke entiteiten vanaf 15 augustus 2026 van krachtNationaal Cyber Security Centrum (NCSC), Niederlande, 2026
  10. Cybersicherheitsrecht: NIS-2-Umsetzungsgesetz ab morgen in KraftBSI, 2025
Gehört zuBackup as a Service